Vor einiger Zeit haben wir Euch aufgerufen, uns Gedichte und Kurzgeschichten zu schicken.

Diese sollten eigentlich in einem kleinen Buch veröffentlicht werden, doch nun haben wir uns entschlossen,

sie auf diese Weise zugänglich zu machen.

(Alle Fotos von Karsten Wolter, Mailänder Zentralfriedhof)

 

 

 

 
 
 
 
 
Dagegen bin ich machtlos

  

Schwere Worte,  in einem schweren

- Augenblick.

Achtlos hingeworfen,

das Herz erstickt.

Dein Schrei im Herzen,

kein Wort kann ihn ermessen,

doch deine Augen

- was ist mit deinen Augen?

Gleichsam leer und fangend Geist – besessen ...

Bin ich und gleichsam schwarze Seele,

im Wahn raffend die schwarzen Steine,

türmend das Unheil – höher – Stein um Stein

herabstürzend – es Herz entzweit,

auf dass dein Dolch meine Seele verfehle ...

 

Und als des Herzens Licht verlischt,

gläsern Dunkelheit zerbricht ...

                           (Nemain)             

Wenn ...

 

Wenn die Zeit vorüber zieht

und die Träume dir verblassen,

wenn deine Welt sich nicht mehr dreht,

scheint das Glück hat dich verlassen.

 

Wenn alle Farben werden grau,

und schwarz dir alle Tage,

wenn du wirst aus nichts mehr schlau,

'was ist der Sinn?' nur deine Frage

 

Wenn dir wird deine Seele stumm

und dein Herz nicht mehr zu dir spricht,

geht die Trauer nicht herum,

weil auch noch dein Wille bricht.

 

Wenn dir deine Welt versinkt

und die Menschen sich davon trennen,

wenn dir keine Hoffnung winkt

und in dir die Tränen brennen.

 

Wenn um dich ein Meer aus Einsamkeit

und es bleibt nur der Hass zurück

von einer tiefen, weiten Ewigkeit,

die dich zerfrisst nur Stück für Stück.

 

Wenn die Stille sich ausbreitet

und in dir die Freude stirbt,

wenn das Dunkel weiter schreitet

und dir jedes Glück verdirbt.

 

Wenn das Licht in dir verschwindet,

doch die Finsternis dich nicht mehr schreckt,

wenn nichts mehr dich an Zukunft bindet

ist eine Sehnsucht schon geweckt.

 

Wenn alle Träume dir gestorben

und die Ewigkeit scheint nicht mehr weit,

ist in dir ein letzter Wunsch verborgen,

ist bald Ende aller Zeit.

 

Die Welt sich um die Hoffnung dreht,

doch das Licht in dir ist fort

so wenn man vor den Pforten steht,

bleibt nur dir das letzte Wort.

 

Dann liegt es an dir, die Sache zu beenden

weil es so nicht weiter gehen soll,

das Schicksal kann man nicht abwenden,

darum sag nur:  LEBE WOHL!

 

Doch warum sich ums Ende streiten,

auch wenn es noch so weh tut innerlich

den Weg kann man sich selbst bereiten

drum steh auf und kämpf für dich!!

 

                                                               (Printemps)

 

Zitat Printemps: „Hallo liebe Leute von Schattenmond, ich bin sehr interessiert an Eurem Kompendium und würde auch sehr gerne einen kleinen Teil dazu beitragen. (...) Zu mir persönlich: Ich befasse mich erst seit ca. einem Jahr mit Magie. Doch mein Interesse war schon früher geweckt. Mineralien und Edelsteine haben es mir schon als kleines Kind angetan. (...) Und durch meinen Wunsch näheres über die Kraft der Steine und ihre Wirkung auf den Menschen zu erfahren bin ich schließlich bei der Magie selbst gelandet.(...) Mit den Steinen kam ich schließlich auch auf Runen. Sehr oft wenn ich Fragen habe oder eine Hilfe für eine Entscheidung benötige wende ich mich an die Runen und schon so manches Mal haben sie mir helfen können. Ansonsten bin ich noch sehr fasziniert vom Mittelalter und vor allem von Mittelaltermärkten. Seit kurzen decke ich mich dort immer mit allerhand Kräutern ein. (...) Ich würde mich über Post von 'Gleichgesinnten' freuen"

 

 

Die Geburt

 

Das Fleisch zerfressen vom Getier des Bösen

Blutverschmiert und fast verwest

Ausgetrocknet durch die Augen der grausamen Brut

Dem Tode nahe sie es in die Arme schließt.

 

Liebkosend die beiden Hände sich dem Höllentor nähern

Gewollt zum Kampf für Zweisamkeit

Der Vater keine Gnade zeigt

Das Bündel der zeternden Mutter entreißt.

 

Tropfend, schmierig, sie sich am Boden windet

Ihr schadenfrohes Eigen zurück verlangt

Vater und Sohn voller Speichel sich begrüßen

Die Gebärende ins Nichts verdammen.

 

Mörderisch verlacht auf dem Thron aus Knochen

Die Familie sich verleugnet

Als Frau benutzt, geschändet, sie nun zu

Grabe kriechen darf, sich zu erlösen

Von dem Nutzen für den Fortbestand der Bestie.

 

                                                                                      (Dornrose)

 Zitat Dornrose: „Hallo Tanja, hallo Karsten, ich habe über euren Newsletter von den Schattenmond - Kompendien erfahren und möchte mich gern daran beteiligen, da ich diese Idee ziemlich gut finde und selbst ein ausgeprägtes Faible für dunkle Poesie habe. Nun kurz zu meiner Person: Ich (...) bin mittlerweile stolze 25 Jahre alt und wohne in Halle an der Saale. Seit nunmehr 10 Jahren zieht es mich zur dunklen Seite des Lebens hin, in allen Facetten. Ob Kleidung, Haare, Musik, Lite-ratur - der Einfluss hat vor nichts Halt gemacht. Aber wie die meisten aus der Sze-ne bestreite ich auch noch ein "ganz normales Leben", arbeite als Dipl.-Betriebs-wirtin in einer Verwaltungsgesellschaft, lebe mit meinem Lebensgefährten glück-lich auf zarten 36 m² zusammen usw. usw... Ich suche eigentlich schon lange nach einer Möglichkeit, meine, wie ich finde, ziemlich gut geratenen Gedichte zu ver-öffentlichen und setze nun auf euch!“

Gerechtigkeit

 

Mystisch flüstert der Wind in den Ohren der Blutsauger,

voller Ungeduld, voller Gier sehen sie dem Moment entgegen,

auf den sie mehr als ein Jahrhundert gewartet haben.

  

Ihre Nägel formen sich zu mörderischen Krallen,

ihre Augen scheinen aus der schützenden Haut zu fallen,

trockenen Mundes beginnen sie ihr Ritual.

  

Die Zähne verwandeln sich in reißende Werkzeuge,

Puckel für Puckel kriecht aus dem morschen Sarg,

behände schleppen sie sich in Richtung Erlösung.

 

 Nur noch wenige Sekunden bis zur unaufhaltsamen Herrschaft,

Rinnsale im Vergleich zu den eingepferchten Jahren,

dann wird es eintreten, das tödliche Schicksal.

 

In Trance tanzen die morbiden Körper zur Todessinfonie,

nur noch wenige Zentimeter bis zum Siegeszug,

dann hat der Mond das schützende Licht verschlungen.

 

 Endlich im Schwarz des Tages versunken,

strömen sie aus, die Vampire, hungrig auf Menschenblut,

beißen sich in staunenden Hälsen fest und schmatzen.

 

 Die Sonne erlangt ihre Vorherrschaft zurück und

erleuchtet ein Meer aus leblosen Körpern.

Die letzten Zipfel der schwarzen Roben verschwinden im Dunkel,

 

    schallendes Gelächter erfüllt das zurückeroberte Reich.

 

                                                                      (Dornrose, geschrieben

                                                              am Tag der Sonnenfinsternis)

 

 

 

 

 

        Blaue Stunde

 

        Abends bricht herein das Dunkel,

        Kühle senkt sich übers Land

        Und es gibt ganz leis’ Gemunkel

        Hinter vorgehalt’ner Hand.

  

                Ein Mensch für sich geht durch die Straßen,

                Geht allein von Haus zu Haus.

                Hüllt sich ein in seinen Umhang;

                Sieht allein ganz friedlich aus.

  

        Dann am Friedhof angekommen,

        Blinkt’s von Ferne hell und klar.

        Doch der Mensch hat angenommen,

        Dass er allein gewesen war.

 

                Mit ihm sind da tausend Lichter,

                Viele rot und keines blau.

                Und in einem jener Gräber

                Ruht schon lange seine Frau

 

        Heute geht er nicht zu ihr –

        Geht nicht an ihr schönes Grab,

        Heute schaut er nur die Lichter;

        Denkt sich: welch ein Glück ich hab.

Textfeld: Zitat Menglada von Rensburg: „Zu meiner Person: Menglada van Rensburg. Geboren am 4.2.1972 in Berlin. Fremdsprachen-Korrespondentin in einem Berliner Universitätsklinikum. Keine aktiv praktizierende Hexe, aber sehr am Heilen und allem, was dazu gehört, interessiert. Heidnische Anhängerin der nordischen Gottheiten.“
 

                Wunderbare Lichterspiele

                Auf den Gräbern zitternd wiegen.

                Und herab sich senkt die Kühle

                Dort herauf, wo Tote liegen.

 

        Blaue Stund’ ganz leis’ vorbei,

        Dunkel nun das ganze Land.

        Und die Seele wird ganz frei –

 

        Legt sich sanft in Götterhand...

 

                                               (Menglada van Rensburg)        

 

                           

 

Schnee

Kindergedanken

       Rückfälle

 

Oder Gedanken in Eis und Weiß ... vielleicht auch Gedankenkinder. Also Nachwuchs für meine Gedanken... Glückwunsch! Fein, dass diese Kinder so früh nach der Geburt schon draußen spielen können! Und Schnee genauso sehr mögen wie ich!

Außerdem: eine Überschrift kann jeder, siehe ich hab drei!

 

Die beiden letzten Tage waren verschneit, alles weiß, so schön!

 

Ich mag es sehr, wenn der Schnee unter meinen Schuhen knirscht, wenn meine Füße einsinken auf dem Schneefeld. Es knirscht besonders toll, wo noch niemand gelaufen ist. Heute Morgen bin ich den Bahnsteig entlang dahin gegangen, wohin seit gestern niemand getreten ist. Knirschen und Spuren in den Schnee drücken. Mein Zug fuhr sieben Minuten auf Verspätung. Zeit für viele Spuren.

 

Ich habe sicher eine halbe Völkerwanderung in den Schnee gestampft. Klasse Knirschen! Aber fein sorgsam war ich, keine Druckspur überlagert die andere. Schließlich ist das Volk in meinen Gedanken rücksichtsvoll, keiner tritt jemand anderem auf die Füße!

 

Ach ja: Finde ein synonymes Verb, um ‚knirschen’ zu ersetzen... unmöglich!

 

Mit gesenktem Kopf schreite ich am Rand meines Schneefeldes entlang und begutachte fachmännisch mein Werk:

Da ist ein Kind gerannt, als ich nur den halben Fuß auftrat, dort ein besonders großer Mann - ich in Riesenschritten - lange Beine hatte der Kerl! Hier noch ein Dicker, besonders tiefe Abdrücke.

 

Auf den Zug Wartende blicken irritiert herüber, die fragen sich bestimmt, wohin mein Volk wandert!

 

Schnee ist wie ein Blatt Papier. Nur braucht man keinen Stift. Finger reicht. Stock geht auch. Oder Füße, das aber ist schwierig. Jungs können’s beim Pinkeln, da gibt es ganze Wettbewerbe, die sind sogar in Farbe!  Hab aber immer verloren...

Unmöglich ein Buch zu schreiben, bis man zum Schluß kommt, ist der Anfang schon wieder zerschmolzen.

 

Einmal gefallen erscheint Schnee häufig zerklüftet wie Fel-sen, ein Schneemassiv hart wie Stein!  Ist aber weicher als Butter, wenn es echter Schnee ist, nicht zu verwechseln mit Eisschnee oder Hagel. Also ist Schnee eher wie Sand? Auch nicht. Sand wird durch Händedruck nicht härter, Schnee rieselt nicht so fein durch die Finger, wird auch nicht vom Winde verweht. Überhaupt rieselt Schnee genau genommen nicht, er flockt.

Leise rieselt der Schnee ist Unsinn! Nix rieseln, Schnee fällt höchstens!

 

Aber rieseln hört sich geschmeidiger an, nicht wahr?

 

Die Auflösung des noch geheimeren geheimen Geheimnisses kommt zum Schluss:

Die ganze Wahrheit!

 

Schnee - halt dich fest - ist gar nicht weiß!

Er ist farblos, logisch, Wasser eben, durchsichtig. Nur gefriert Wasser zu Kristallen, die bekannten Schneeflocken und deren Kanten reflukt...

reflektieren enorm! Jawohl! Licht ist weiß, nicht der Schnee, sieht nur so aus.

 

Reflektion.          

 

Aber das erzähle ich meinen Freunden nicht, ich würde an Träumen rütteln.

In Träumen aus "weiß" und "schwarz"...

                                                                                                                (Nemain)

 

 

 

Schattenmond dankt allen Mitwirkenden herzlich für die Teilnahme an diesem Projekt.

Gern leiten wir Briefe oder E-Mails an die Autoren weiter.

 

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