Meditation - Teil 1

 

 

Der Begriff der Meditation löst bei vielen Leuten irgendwas zwischen einem Schulterzucken und gelinder Verwunderung aus. Bestenfalls noch Bilder von buddhistischen Mönchen, die in tiefer Versenkung geistige Leere anstreben. Aber was soll ein moderner, aufgeklärter Mensch damit? Wozu soll man denn meditieren? Das ist doch wieder irgendso ein nutzloses esoterisches Zeug und dafür hat man heutzutage keine Zeit.

 

Wenn sich jetzt jemand redlich bemüht das Thema im do-it-yourself Verfahren anzupacken - denn es wird ja empfohlen, es soll ja zu innerer Ruhe verhelfen und ist im magischen Bereich offenbar unerlässlich, denn jeder redet davon - dann denkt er jetzt unter Umständen an die besagten Mönche.

 

Dann läuft der erste Selbstversuch in etwa so ab:

Also wird jetzt meditiert - Augen zu - an nichts denken. Den Geist völlig leeren.

'Oh super, ich habe grad für ne Sekunde an nichts gedacht! MIST. Von vorne.'

Das Ende vom Lied ist dann die falsche Schlussfolgerung, dass das alles nichts bringt, oder dass man dazu völlig ungeeignet ist und man wirft die Flinte ins Korn.

 

Doch es ist tatsächlich weder so mystisch noch so elitär, wie manchmal der Anschein erweckt wird.

 

 

Das Wort 'Meditation' bedeutet im Grunde nur 'stilles Betrachten'.

Es geht hierbei nicht darum, den Geist zu leeren. Niemand will einen leeren Geist, davon gibt es heutzutage leider schon viel zu viele. Nein, es geht darum, seinen Geist zur Ruhe zu bringen. Dem ständigen Hintergrundgeplapper in unseren Köpfen Einhalt zu gebieten.

Ein durchaus erholsamer Zustand, der im täglichen Stress und Einerlei wirklich Ruhe und Entspannung bringen kann. Das ist für sich genommen schon mal nicht zu verachten.

Für den Magietreibenden geht es allerdings noch um ein wenig mehr. Willentlich abschalten zu können und sich von der alltäglichen Welt zu entfernen ist ebenso wichtig wie die Gedanken zu kontrollieren und eine erhöhte Konzentration aufzubringen.

 

 

Wie funktioniert es also? Wie meditiert man? Braucht man dazu einen Kurs?

 

Ich denke nicht. Es gibt viele Methoden und jeder wird über kurz oder lang die finden, die ihm am meisten liegt. Darüber hinaus glaube ich, dass die meisten schon meditiert haben, ohne es so zu nennen.

Ein Bild zu betrachten, eine Landschaft aus dem Zugfenster heraus, den Wald beim Spaziergang - all das kann schon meditativ sein. Wenn der Geist dabei ruhig ist. Wenn man keine bestimmten Gedanken verfolgt, sondern sie einfach vorbeidriften lässt, dann war es schon eine Meditation.

 

 

Desert Wind: Gaia, Earth GoddessEine sehr einfache Technik, die man fast überall und jederzeit durchführen kann, ist die Atemmeditation.

Du solltest anfangs für eine ruhige Umgebung sorgen, den Telefonstecker ziehen, Handys haben einen Ausschaltknopf, Haustürklingeln übrigens auch.

Lege oder setze dich hin. Wer möchte und gelenkig genug ist, gerne auch im Lotussitz - das ist aber wirklich keine Grundbedingung. Die Wirbelsäule sollte allerdings gerade sein. Es sollte angenehm warm sein, denn wenn man reglos sitzt oder liegt, kühlt man leicht aus.

 

Nun komme erst mal etwas zur Ruhe.

Dann fange an dich auf den Fluss deines Atems zu konzentrieren. Die Atmung aber nur beobachten. Nicht zwingen. Nicht verändern. Einfach natürlich fließen lassen und beobachten. Es sollte sich nach relativ kurzer Zeit ein Gefühl der Entspannung einstellen.

 

Um die Sache etwas interessanter zu machen, und um ein Zeitmass zu erhalten, kann man die Atemzüge zählen. Ein - Aus - Eins. Das kann man bis z.B. 30 machen. Klingt einfach? Wenn die Konzentration nachlässt, kann es schnell passieren, dass du dich bei 15 wieder findest, dich aber bewusst zuletzt daran erinnern kannst, die 9 gezählt zu haben. In dem Fall von vorne beginnen. Es gilt hier nicht einfach 30 Atemzüge möglichst flott abzuzählen, es geht darum dies bewusst und gesammelt zu tun.

 

Wenn sich Gedanken in den Vordergrund drängen möchten - nicht verführen lassen. Sag zu dem Gedanken: 'Vielen Dank für die Info, aber nicht jetzt' und schieb ihn weg. Anfangs muss man schon sehr beharrlich sein und immer wieder zum Zentrum seiner Konzentration zurückkehren, doch mit der Zeit wird es einfacher und das besagte Geplapper wird nachlassen.

 

 

Wenn jemand Probleme damit hat sich auf die Atmung zu konzentrieren - eventuell sogar Gefahr läuft zu hyperventilieren, wenn er das tut - dann sollte er seine Aufmerksamkeit einfach auf etwas anderes richten. Zum Beispiel ein Bild, oder eine Pflanze, einen Stein. Die Hauptsache ist, dass man einen Focus für seinen Geist findet. Aus was der besteht, ist erstmal zweitrangig.

 

Wer zu den Menschen gehört, die zu zappelig zum Stillsitzen sind, braucht nicht auf die Meditation zu verzichten. Er kann zum Beispiel einen meditativen Spaziergang machen. Die Natur um sich herum beobachten ohne an bestimmte Dinge zu denken. Oder mit etwas wie Tai Chi anfangen, das auch eine Form von Meditation darstellt.

 

 

Was anfangs - und auch später - bei einer liegenden Haltung immer mal wieder leicht passieren kann, ist dass man schlicht und ergreifend einschläft. Das ist aber nicht schlimm. Nimm es als Zeichen, dass das mit der Entspannung einwandfrei geklappt hat. Wer das vermeiden will, kann auch im Stehen meditieren. Anfangs ist es aber vielleicht auch gar nicht so verkehrt, sowieso vorm Einschlafen im Bett mit der Übung anzufangen. Man ist dann schon vom Tagesgeschehen etwas abgerückt, ist warm und kuschelig eingepackt und es fällt einem leicht, sich im eigenen Bett zu entspannen.

 

Welche Methode du auch immer wählst, ich hoffe, ich konnte zeigen, dass die Grundlagen nicht wirklich schwer sind und dass sich ein Versuch auf jeden Fall lohnt.

 

Gut meditier ;)

 

 

(c)  Amaya, geschrieben für Schattenmond im Februar 2006

 

 

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