Die unglaublichen Abenteuer der legendären Leichten Infanterie der Roten Faust

                                                              Der Fall des Fürsten

                                                                 ~ von Sadist ~

 

Es begab sich zum 3. Tage des 12. Monats im Jahre 439 nach mirandischer Zeitrechnung, dass eine Abteilung der Roten Faust, besser gesagt die zur Zeit außer Dienst und Sold gestellten Soldaten Sauffix und Wandor der Leichten Infanterie, zusammen mit Maltus Berodiac und den beiden Waldläufern Caron und Marianna im Lande Ateron ankamen. Sie waren einem Aufruf des Königs von Ateron gefolgt, der nach tapferen Recken zur Hilfe gegen die Bedrohung eines seiner Güter aufgerufen hatte.

An jenem Tage also kamen unsere Helden spät in der Nacht in die Nähe des Hauptwachpostens jener bedrohten Region, zusammen mit einigem anderen gar illustren Volkes. Begleitet wurde die Gruppe von einer Abteilung ateronischer Soldaten, die als Verstärkung und Führer mitgeschickt worden waren.

Doch bevor sie im sicheren Heim ankamen, begegneten sie einigen Bettlern, die sich als rittländische Flüchtlinge rausstellten, doch unsere Gefährten guckten gar komisch, als die Ateronische Garde versuchte die Bettler zu vertreiben, und die Reisenden davon abzuhalten, sich mit ihnen zu unterhalten.

An diesem Punkt kam es bereits zu ersten Reibereien zwischen unseren Helden und den ateronischen Soldaten; so stellte sich Saufix dem ein oder anderen Soldaten in den Weg, oder hielt sie davon ab die Rittländer zu schlagen.

Unsere Gefährten schickten dann die gesamte restliche Gruppe inklusive ihrer Führer los doch schon in Richtung des Hauses zu gehen, und konnten sich so in Ruhe mit den Rittländern unterhalten. Im Gespräch erfuhr man dann auch, dass wohl dieser Landstrich erst vor kurzem gewaltsam von den Ateronern erobert wurde, und die Rittländer vernichtend geschlagen wurden. Außerdem vernichteten die Ateroner wohl alle Dörfer und Häuser der Rittländer. Unseren Helden gefiel dies gar nicht, aber da sie selber Soldaten sind, wussten sie welch schreckliche Gesichter der Krieg manchmal zeigen kann.

Nachdem Caron dann noch den Bettlern seinen Mantel schenkte, zog man weiter um sein Quartier zu beziehen.

Die Begrüßung durch den Standorthauptmann lief denn aber einigermaßen gesittet ab, und man bezog gut gelaunt die Zimmer.

Später kamen denn die rittländischen Bettler zum Haus und baten um Speis und Trank und dank unserer Helden bekamen sie ihn auch in der Armenküche. Doch als dann die Bettler kurze Zeit später von der Wache wieder aus dem Haus getrieben wurde, da gingen unsere Gefährten wiedereinmal dazwischen.

Dabei trug sich folgende Heldentat zu.

Eine Soldatin der ateronischen Armee trieb die Bettler mit Schlägen vor sich her zur Tür raus. Doch als der letzte Bettler zur Türe hinaus war, verstellten der edelmütige Sauffix mit seinem großen Rundschild, dass er auf dem Rücken trug, der Wache den Weg durch die Tür und tat so als wäre er total fasziniert von dem Schauspiel, dass sich draußen im Hof abspielte, und würde die fast verzweifelnde Soldatin hinter sich garnicht bemerken.

Seine Mitstreiter fanden dies Schauspiel gar wundervoll,. Und ich muss sagen, dass eine solche Art des passiven Widerstandes eine, wenn auch tollkühne, so doch gar edelmütige Heldentat ist.

Als die Bettler nun in Sicherheit waren, tat Sauffix so, als würde er erst jetzt jene bedauernswerte Frau hinter sich bemerken und ließ sie mit einem breit grinsenden „Entschuldigung ich habe sie gar nicht bemerkt!“ durch.

Die nächste, wenngleich vielleicht auch nicht umbedingt heldenhafte, so doch wenigstens tollkühne Tat von der es zu berichten gilt, trug sich wohl 3 Stundengläser später zu, als der Fürst jener Ländereien zum verspäteten Festmahl aufrief.

Das Festmahl sollte im Festsaal stattfinden, und die Gäste sollten ihre Waffen in den Zimmern lassen. Doch unsere fünf Gefährten, allesamt Soldaten und Abenteurer, widersetzten sich dieser Anordnung und gingen vollgerüstet zum Essen. Man wurde denn auch wiederstrebend durchgelassen und nach der offizellen Ankündigung setzte man sich an die Tafel. Das gar wundervolle und köstliche Essen bestand aus einer eigenartigen Milchsuppe, Gulasch mit Kartoffeln und einer undefinierbaren Süßspeise; doch der Fürst selber und seine treuesten Anhänger bekamen noch nebenbei Weintrauben gereicht und tranken Wein, wohingegen die Gäste erst auf mehrmalige Bitte von unseren Gefährten endlich das teuerste Brunnenwasser ausgeschenkt bekamen. Auch hier war es der waghalsige Sauffix, der seinem Unmut Luft machte, indem er als erstes dem Fürsten seine Metflasche wegnahm, und ihm dann als nächstes seinen Wein mit dem Brunnenwasser vermischte. Aber all unseren Helden stand der Unmut ins Gesicht geschrieben über diese gar herablassende Behandlungsweise eines Fürsten seinen Gästen gegenüber, die er um Hilfe hierher gebeten hatte; als er denn auch noch die gar schlechtesten und am schrägsten singenden und spielenden Barden ein Lied anstimmen ließ, da standen unsere fünf Gefährten noch vor dem Nachtisch alle zusammen gleichzeitig auf um den Raum zu verlassen. Das Gesicht des Fürsten und aller anderer Anwesenden hättet ihr sehen sollen!

Blankes Entsetzen und Erstaunen stand ihnen in die Gesichter geschrieben.

Der Fürst zog dann auch prompt seine Rede, die er eigentlich erst nach dem Essen hatte halten wollen, vor. Doch wirklich wichtiges ließ er nicht verlauten, außer dass man sich in den Dienst seiner Wache stellen müsste, um hier Anspruch auf Entlohnung zu haben und die Möglichkeit Magie zu wirken. Unsere Helden blieben derweil stehen, und als der Fürst fertig war vollendete man was man begonnen hatte; man ging hinaus. Wandors Gewissen nötigte ihn denn aber später nochmal in den Festsaal, um sich beim Fürsten für dieses gar schroffe Benehmen zu entschuldigen.

Unseren Gefährten behagten aber die Bedingungen in der Garde und die läppischen drei Silber Sold nicht, und so entschieden sie sich, nicht in den Dienst des Fürsten zu treten; außerdem gab es zu viele Gründe die davon zeugten, dass der Fürst, aber auch der ansässige Inquisitor der dortigen Kirche und der Hauptmann der Wache hier in jener Gegend eine Schreckensdiktatur ausübten, und das Volk absichtlich in Dummheit und Angst hielten, sodass unsere Helden sich dazu entschieden auch bei Kämpfen erstmal beide Seiten abzuwägen, und zu sehen, wer denn jetzt wirklich bekämpft werden müsste.

Außer der Tatsache, dass der Hauptmann der Wache total unfähig war - er stellte seine Wachen an vollkommen ungünstigen Stellen auf, eine Abteilung guter Bogenschützen hätte ein wahres Blutbad anrichten können. Es war aber glücklicherweise keine gute Abteilung Bogenschützen im Wald, sodass nur eine der ateronischen Wachen erschossen wurde -.geschah in jener Nacht nicht mehr viel.

Aber eines gibt es noch zu berichten!

Unsere fünf Gefährten machten sich noch spät in der Nacht auf, um zu einem wohl magischen Baum, den man schon auf der Anreise bemerkt hatte, zu gehen und diesen näher unter die Lupe zu nehmen. Alles Volk im Anwesen meinte dies sei zu gefährlich, aber unsere Helden konnte dies nicht abschrecken. Und so zogen sie los, fünf Gestalten in ihre Mäntel gehüllt; einen Pfeil im Anschlag. Doch die Vorsicht war unnötig, sie kamen unbescholten beim Baum an, konnten allerdings nur feststellen, dass der Baum magisch beleuchtet war.

Auf dem Rückweg dann wurden sie vom Waldrand her angerufen.

Eine Gruppe Elben stand dort, und verlangte zu wissen, warum man ihren Wald betreten hätte.

Wandor konnte die Elben davon überzeugen, dass man nichts böses im Schilde führte, und so konnte die Gruppe weiterziehen, und sie wussten im Wald gibt es, allen Beteuerungen des Fürsten, Inquisitors und Hauptmannes, sowie der Ateronischen Soldaten zum Trotz, Elben im Wald, und sie waren garnicht gut zu sprechen auf die Ateroner.

Ein Grund mehr diesen nicht zu vertrauen!

Als die Gefährten wieder beim Haus angekommen waren, stellten sie fest, dass neue Gäste eingetroffen waren. Ein Wolfswesen, Grauer Wolf oder so ähnlich hieß er, mit zwei seiner Gefährtinnen, einer Elbe und einer Menschenfrau.

Unsere Helden, schon durch zahlreiche Abenteuer gestählt und an alle möglichen und unmöglichen Dinge gewöhnt, wurden sofort an ihre Freunde Wölfchen, auch ein Wolfswesen, und Urgar der Bär, ein Bärenschamane, erinnert, und so versuchten sie sofort Kontakt zu den drei Personen aufzunehmen und so trat Maltus Berodiac dem Wolfsmenschen unbewaffnet gegenüber.

Und siehe da, es stellte sich heraus, dass die drei einen Schlafplatz suchten, und Maltus spielte den Vermittler zwischen den dreien und dem Hauptmann der Ateroner. Man konnte sich dann auch endlich darauf einigen, dass die drei einen Schlafplatz bekamen, und so kamen die drei denn heran; doch dem Wolfsmenschen war irgendetwas nicht so ganz geheuer im Haus, und so verließ er dann, nach nur kurzem reinschnuppern, fluchtartig das Gebäude.

Inzwischen konnte Sauffix seine Neugierde nicht mehr zügeln, und guckte sich den Wolfsmenschen genau an, und als seine Blick den des Wesens traf, konnte er nicht anders als diesen starr anzuschauen. Das Wesen starrte zurück, sie näherten sich einander, und dann begann das Wesen plötzlich zu knurren. Sauffix, inzwischen in dieser Situation gefangen, starrte einfach zurück; die zwei Begleiterinnen des Wolfsmenschen versuchten noch die Situation zu klären, aber schafften es nicht. Dann sprach das Wesen plötzlich: „Welche Waffe?“ Sauffix nur „keine!“

Und so zogen die beiden Kampfhähne auf die Wiese, legten ihre Waffen ab, und begannen sich gegenseitig abschätzend zu umkreisen. Der Wolfsmensch ahnte wohl, dass Sauffix ihn nicht herausfordern wollte, und begann deshalb währenddessen ein Gespräch. Und mit der Zeit wurde aus dem angriffslustigen umkreisen ein eher freundschaftlicher Reigen, an dessen Ende sich beide in Freundschaft von einander trennten. Und Sauffix wusste danach so einiges zu berichten. So kannte der Wolfsmensch tatsächlich Wölfchen, wenngleich er nicht im selben Clan war; desweiteren wusste er nun, dass die drei genauso wie unsere fünf Gefährten nicht wirklich davon überzeugt waren, dass sie bei den Ateronern auf der richtigen Seite kämpfen würden.

Nach dieser ereignisreichen Nacht ging man denn endlich ins Bett, stand aber am nächsten Morgen schon mit der Morgendämmerung wieder auf, denn unsere Helden wollten den Baum nochmal bei Tageslicht begutachten gehen, und die Gegend erkunden; bevor irgendwelche anderen Personen Spuren zunichte machen könnten. Und so zogen unsere Fünf wieder mit äußerster Vorsicht los und stellten fest, dass beim Baum Elben gewesen waren und schlossen daraus, dass dies wohl so eine Art Heiligtum sein müsste. Ansonsten geschah nichts aufregendes, entweder schliefen noch alle anderen Bewohner des Waldes, oder hielten sich vor unserer mutigen Truppe versteckt.

Und so gingen unsere Helden nach diesem angenehmen Morgenspaziergang zum Frühstück und genossen das schöne Wetter.

Dann zog irgendwann der Hauptmann mit einem Großteil seiner Mannen und all jenen die sich noch in den ateronischen Dienst gestellt hatten aus zu einer Patrouille. Unsere fünf Helden folgten mit etwas Abstand, sie hatten ja sonst nichts zu tun, und dachten sich vielleicht entdeckt die Patrouille ja etwas interessantes. Diese wäre aber fast nur in einen Hinterhalt gelaufen, wenn nicht Sauffix, in weiser Vorraussicht des Geländes, sich entschlossen hätte, neben dem Weg herzulaufen und so auch in die Gräben und hinter umgestürzte Bäume zu sehen; und so war er es, der die beiden Elben entdeckte, die sich im Gebüsch versteckt hielten. So ging die elbische Taktik nicht auf, die Patrouille in einen Hinterhalt laufen zu lassen, aber selbst so, vorgewarnt, wäre die Patrouille vernichtet worden, wäre nicht die Gruppe Nordleute und unsere Helden, die zu ihrer eigenen Verteidigung durch die Elben gezwungen wurden, ins Kampfgeschehen eingegriffen hätten.

Stark angeschlagen zog sich die Patrouille zurück, unsere Helden gingen fast unverletzt aus dem Gefecht.

Nach diesem Gefecht, bei dem die Ateroner ein anderes Heiligtum der Elben zerstört hatten, und einem Gespräch mit dem Wolfsmenschen und seinen Begleiterinnen, die Kontakt zu den Elben aufgenommen hatten, beschlossen unsere Helden sich auf die Seite der Elben zu schlagen.

Doch da sie so wenig Blut wie nötig vergießen wollten, beschlossen sie, nur den Fürsten, den Inquisitor und den Hauptmann zu töten, da sie annahmen, nach dem diese drei Personen beseitigt seien, würde die ateronische Wachmannschaft aufgeben.

So belauerten die fünf die Objekte ihrer Begierde, doch eine gute Chance zeigte sich erst, als der Inquisitor zusammen mit dem Fürsten und einem Teil der Garde sich zum Elbenbaum aufmachte. Unsere Helden, die inzwischen sich mit den Nordleuten verbündet hatten, schickten diese mit der Truppe zum Baum, während sie selber den kürzeren Weg durch den Wald nahmen, um beim Baum einen Hinterhalt zu legen.

Drei unserer fünf, Maltus, Wandor und Caron, mischten sich beim Baum unter die Truppe und bewachten den Fürsten und den Inquisitor auf Schritt und Tritt.

Die Falle schlug zu, als zwei Elben aus dem Wald traten, und sich die gesamte Aufmerksamkeit der Truppe diesen beiden zuwendete.

Maltus meuchelte den Fürsten, als er ihm den Rücken zuwandte um die Elben zu begutachten, Caron  schlug den Fürsten nieder. In nichteinmal einer Minute war die gesamte Truppe bestehend aus 9 Mann dann getötet.

Unsere Helden schickten die Nordleute zurück zum Haus, damit diese auch noch den Hauptmann im Stillen ins Jenseits beförderten, wohingegen sie selber sich mit dem Wolfsmenschen und seinen Begleiterinnen unterhielten. Maltus und der Wolfsmensch wollten dann noch irgendwie etwas mehr über den Baum erfahren, doch hatten sie nicht mit der starken Magie des Baumes gerechnet.

Dann kam plötzlich einer der Nordleute zurück, und teilte unseren Helden mit, dass der Hauptmann irgendwie von der Tat erfahren hatte, und nun seine gesamte restliche Garde insgesamt 10 Mann um sich scharte, um unsere Freunde zu töten. Sauffix eilte daraufhin schnell zum Haus, um die Lage im Auge zu behalten, denn Maltus und der Rest der Gruppe waren noch immer durch ihr Interesse am Baum kampfunfähig.

Sauffix beobachtete die Vorbereitungen des Hauptmannes, und als sich dieser dann endlich nach langem zögern entschloss ihm mit fünf Mann mit Schild entgegen zu treten, machte sich Sauffix auf, um seine Freunde zu warnen. Die Truppe des Hauptmannes verfolgte Sauffix aber dann doch nur bis zum Anfang der Wiese und standen Bedrohungen und Beschimpfungen rufend oben auf der Kuppe. Sauffix drehte sich deshalb dann auf halbem Wege zum Waldrand wieder um und legte einen Pfeil auf die Sehne seines Bogens. Als dann seine Gefährten aus dem Wald hervortraten und ihn begrüßten griff man - nun endlich wieder vereint - gemeinsam den Hauptmann mit seinen Soldaten auf ihrem Hügel an, und dank der zielsicheren zwei Bogenschützen, Sauffix und Caron, wurden die Soldaten schnell dezimiert, als denn aber die 5 restlichen Soldaten des Hauptmannes ihren Posten beim Haus verließen und noch von hinten ins Kampfgeschehen eingriffen, hätten unsere Helden fast den Rückzug antreten müssen, aber da kamen ihnen dann die Nordleute zu Hilfe und nun war das ganze nur noch ein Gemetzel. Die schwache ateronische Einheit wurde restlos und ohne eigene Verluste, nun ja Maltus und Wandor mussten sich wie immer verwunden lassen, aufgerieben. Nach dem Gefecht erfuhr man dann aber von den Elben, dass der Hauptmann einen Boten ausgesandt habe, der Verstärkung anfordern sollte um unsere fünf Gefährten zu ergreifen. Und so zogen unsere fünf Helden, geführten durch die Elben, an die Küste, wo sie sich ein Schiff nahmen und zurück nach Miranda segelten. Doch vorher erzählten ihnen die Elben noch, dass die Ateroner ein beträchtliches Kopfgeld auf unsere Helden ausgesetzt hätten.

Aber unsere Helden konnte dies nicht schocken, denn sie wussten, sie haben das richtige getan; und heldenhaft wie sie sind, planen sie schon ihre Rückkehr, um zu sehen wie es den Elben denn weiter ergangen ist.

 

 

 

 

(c) Dieter Weckfort

Verbreitung erwünscht - natürlich nur mit Hinweis auf den Autor.

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