
Die unglaublichen Abenteuer der legendären Leichten Infanterie der Roten Faust
Celinas Erbe oder: Die Wiederherstellung der Ehre
~ von Sadist ~
Ich möchte euch heute mal nicht von irgendwelchen Heldentaten berichten, sondern von einem gar ernsten Thema.
Die Helden, wenn wir sie denn so nennen wollen, sind uns zum Teil bekannt; es handelt sich um jene Abteilung der Roten Faust, der Eliteeinheit von Herzog Letho, über die ich schon so manch eine hervorragende, unterhaltsame und heldenhafte Geschichte zu berichten wusste. Ja es handelt sich um die Leichte Infanterie der Roten Faust; um die Soldaten Wandor, Raikon, Maltus Berodiac, Rudolph, den allseits bekannten Sauffix und die Trossmagd Sintra Forgwehr.
Auch die uns bekannten Waldläufer Caron und Mariana waren anwesend.
Wovon ich euch hier berichten möchte, ist nur das Ende einer Begebenheit, die vor etlichen Monaten begann.
Alles begann damit, dass Herzog Letho am 17. Tage des 7. Monats im Jahre 439 nach mirandischer Zeitrechnung zu einer Heerschau aufgerufen hatte. Viele Bürger und Freunde Mirandas zogen zum Orte der Versammlung, und auch unsere allseitsbekannte Leichte Infanterie der Roten Faust, jener legendären Eliteeinheit von Herzog Letho, folgte dem Ruf ihres Herzogs, obwohl sie erst vor kurzem von der Primensisfeierlichkeit des Ordens von Andoran zurückgekehrt war - doch dies ist eine andere Geschichte.
Mit der Leichten Infanterie der Roten Faust zog eine Abgesandte von Herzog Letho namens Celina.
Der damalige Waibel der Leichten Infanterie, Wandor, hatte den Auftrag Celina zu beschützen, was sich aber als schwieriger herausstellte, als es sich anhört; denn Celina war eine sehr freiheitsliebende und selbstbewusste Person, und wenn sie nicht mal wieder die Soldaten und Rekruten der Leichten Infanterie durch die Gegend kommandieren wollte, - was auch jeder bis auf Sauffix mit sich machen ließ - so versuchte sie wohl eher ihren Bewachern zu entfliehen und „geheimnisvolle“ Gespräche mit Elben und anderem Volk zu führen.
Was so alles auf der Heerschau geschah, davon möge euch ein anderer berichten.
Ich möchte beim Thema meiner Geschichte bleiben, nämlich Celina. Ihre ständigen ach so „wichtigen und geheimen“ Gespräche mit gewissen Personen will ich hier nur am Rande erwähnen, sie sind nicht weiter von Bedeutung.
Die nächste wichtige und vor allem berichtenswerte Sache ist jenes wunderbare Etikettetraining, das Celina zusammen mit Seila, der Schwester von Wandor, und Ritter Reo für die Leichte Infanterie der Roten Faust abgehalten hat.
Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass die Soldaten und Rekruten der Leichten Infanterie von einer solchen Maßnahme nicht viel hielten, da aber Waibel Wandor ihnen den offiziellen Befehl zum Mitmachen erteilte, waren sie alle anwesend; Raikon, Wandor, Maltus Berodiac, Rudolph, Vieek van K., Waibel der Schweren Infanterie, Dana Forgwehr und der große Held der Leichten Infanterie Sauffix.
Und hier machte er seinem Namen alle Ehre, denn nicht nur, dass er es fast geschafft hätte sich mit seiner treuen Freundin Dana von der verdutzt dreinschauenden Gruppe zu entfernen; er schaffte es nämlich bereits beim ersten Versuch eine vernünftige Begrüßung der Dame - Dana - durchzuführen, was keiner der Anwesenden geglaubt hätte und so guckten sie alle nur verdutzt drein, und bemerkten fast nicht, dass Sauffix diesen Umstand ausnutzten wollte, um sich mit Dana außer Ruf und Hörweite zu begeben.
Nein er begann sich dann auch noch mit den drei Ausbildern um die Einnahme von alkoholischen Getränken zu zanken. Ihm waren sogar die 10 Liegestütze keine ausreichende Bürde, sodass er gleich ein paar mehr machte, um sich dann hinterher gleich einen weiteren Schluck genehmigen zu können. So wurde dieses Etikettetraining für die zahlreichen Zuschauer eine Augenweide.
Doch nun ja, allem Anschein nach hat sich einer der Soldaten oder Rekruten der Roten Faust wohl in eine solche Wut und Rachegelüste gesteigert, dass er Celina noch spät in der Nacht, als sie ohne Bewacher unterwegs war, ermordete.
Und dies ist jene Begebenheit, die von dem Zeitpunkt an das Ansehen der Roten Faust überschattete.
Zwei Wochen nach jener abscheulichen Tat wurde dann die gesamte Leichte Infanterie außer Dienst und Sold gestellt, aber solange sie ihren Aufenthaltsort dem Herzog mitteilten, konnten sie sich noch immer frei bewegen - zu unser aller Glück; denn sonst hätte ich einige Geschichten weniger über die legendäre Leichte Infanterie der Roten Faust zu berichten.
Warum sich Herzog Letho zu einem solch drastischen Schritt entschied, darum ranken sich die wildesten Gerüchte.
Aber eines, dass am häufigsten zu hören ist und welches auch am glaubwürdigsten klingt ist jenes, dass Herzog Letho einen anonymen Brief
- manch einer berichtet gar von zweien - von einem Angehörigen der Leichten Infanterie erhalten haben soll, in dem über mögliche Verdächtige berichtet wird. Soweit ich informiert bin, soll der Titel jenes Briefes „Celinas Tod oder Der Verfall der Ehre“ heißen.
Klingt nach einer vortrefflichen Geschichte.
Doch ob dies der Wahrheit entspricht kann ich nicht beurteilen, da auch ich nur davon erzählen hörte. Aber eines weiß ich mit Sicherheit, ein Schriftstück mit diesem Titel gibt es wirklich, und es befindet sich im persönlichem Besitz des Herzogs.
Nun aber zurück zu meiner Geschichte.
Ihr fragt euch jetzt mit Sicherheit, wie konnte denn nun die Ehre der Roten Faust wiederhergestellt werden.
Nun ja dies geschah in einer Herberge namens „Zum vollen Fass“ an der Küste vom Herzogtume Dracken.
Dort fand nämlich am 5. Tage des 2. Monats im Jahre 440 nach mirandischer Zeitrechnung eine Befragung mit abschließender Urteilsverkündung statt. Der Leiter dieser Untersuchung war ein Graf Mark von Falkenheim, einem von Herzog Letho persönlich bevollmächtigtem Schiedsmann.
Unsere oben genannten Gefährten wurden bei jener Untersuchung zu den Vorgängen der Heerschau befragt.
Und auch hier machte der uns allen bekannte Bogenschütze Saufix seinem Namen alle Ehre, wenn auch auf eine etwas andere Art und Weise als der ein oder andere jetzt denken möge.
Saufix ist ja kein Mann, der sich gerne etwas vorschreiben lässt oder dem man das Wort im Munde verdrehen sollte, doch jener Graf scheint solches getan zu haben, woraufhin ihn Saufix mit einer seiner schnellen, aber vielleicht auch unbedachten Äußerungen, so zur Weißglut brachte, dass der Graf so laut auffuhr, dass sich alle Anwesenden im Raume erschrocken umdrehten. Saufix konnte dies nicht schocken und auch als der Graf ihm noch die Möglichkeit ließ sich bei ihm zu entschuldigen, was er natürlich in seiner sturen Art nicht tat, blieb Sauffix ganz ruhig und gelassen. Der Graf schien sich nicht mehr anders helfen zu können, als ihn zur Strafe öffentlich auspeitschen zu lassen. Da der Graf wohl aber selber nicht recht wusste wie sowas ablaufen sollte, war das ganze etwas unorganisiert, und so fasste sich Saufix ein Herz und seine beste Freundin Sintra, und stellte sich gestützt durch Sintra vor Wut schäumend der Auspeitschung.
Ansonsten verlief die Befragung aber ohne größere Zwischenfälle.
So stand dann am nächsten Tag die Urteilsverkündung an, und der Graf sprach alle des Mordes beschuldigten frei.
Waibel Wandor wurde wegen seines Dienstversäumnisses, Celina keine Wache zur Seite gestellt zu haben, seines Postens als Waibel enthoben, aber er bekam dennoch den Rang eines Veteranen und des Bannerträgers zugesprochen.
Nun ja, wer unsere Helden genau kennt, fragt sich wie kann denn das gehen? Bannerträger war doch eigentlich ein anderer.
Nun dieser andere, niemand geringeres als der vorlaute Sauffix, wurde zum Ausbilder der Leichten Infanterie ernannt, und ist somit zur Zeit auch gleichzeitig der Befehlshaber unserer für Heldentaten bekannten Abteilung.
Seine erste Amtshandlung war denn auch gleich seinem Charakter entsprechend. Er befahl alle Veteranen, Soldaten und Rekruten zur Würfelrunde.
Somit ist dann wohl das Kapitel Celina abgeschlossen, denn die Verhandlung ist vorbei und es hat sich gezeigt, dass keiner aus der Einheit der Mörder jener jungen, bildhübschen, klugen, redegewandten, galanten, freundlichen und selbstbewussten Frau namens Celina ist.
Außerdem wird uns die Abenteuerlust von Sauffix wohl noch die ein oder andere Geschichte bescheren, wodurch jenes nicht ganz so ruhmreiche Kapitel der Einheit schnell in Vergessenheit geraten wird.
Soweit ich weiß, plant er auch schon die nächste Heldentat.
(c) Dieter Weckfort
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