Die unglaublichen Abenteuer der legendären Leichten Infanterie der Roten Faust

                                                Marktaufsicht oder doch nicht?

                                                                 ~ von Sadist ~

 

Es begab sich, dass die Rote Faust am 21. Tage des 8. Monats im Jahre 438 sich auf dem Marktflecken des New Orders einfand. Sie war dorthin von den Freigenossen eingeladen worden.

Doch die so abenteuerhungrigen Angehörigen der Roten Faust sollten gar fürchterlich enttäuscht werden, denn leider war jener Ort ganz und gar nicht nach ihrem Geschmack. Es gab zwar viel viel Volk, doch sie haben nicht ein einziges mal von ihren Waffen Gebrauch machen müssen.

Bei der Ankunft rechnete man noch mit vielen Kämpfen, und so wurden von einigen höherrangigen Soldaten der Roten Faust, sehr zum Leidwesen einiger anderer Soldaten der Einheit, auch kräftig Rekruten angeheuert.

Aber außer das man ihnen Sold zahlen musste und deren Unrat beseitigen konnte, waren sie zu nichts zu gebrauchen, denn mit den ersehnten Kämpfen wurde es nichts und obwohl man sich dann auch verpflichtete für Ordnung auf dem Marktplatz zu sorgen, man hatte gehofft, wenigstens da ein bisschen gefordert zu werden, so wurde man doch auch hier enttäuscht. Alles angereiste Volk war zu zivilisiert und so war die Rote Faust nur eben eine Wachtruppe, die dumm über den Markt schritt, aber nichts zu tun hatte und auch nicht nötig gewesen wäre.

Auch sonst langweilte sich der Großteil der Roten Faust und lungerte nur in den Zelten rum; und so kam es denn auch, dass immer wieder jene gelangweilten Soldaten und Rekruten eine Menge Müll am Gemeinschaftsfeuer der Roten Faust machten, es denn aber einigen wenigen Soldaten überließen die Feuerstelle am nächsten Morgen wieder aufzuräumen und Rote Faust repräsentationsgerecht herzurichten.

 

Doch außer solch unschönen Dingen muss es doch irgendetwas geben, was erzählenswert ist; sonst wäre diese Geschichte doch fast unnütz.

 

Was könnte es denn nur sein?

Nun ja, dass ich auch hier etwas zu berichten weiß, was zumindest Wert wäre erzählt zu werden, verdanken wir auch hier wieder einer kleinen Abteilung der Roten Faust - zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Trennung in einzelne Gruppen, aber sie sollte kurz nach jenem Ausflug dann kommen - oder besser einem einzigen Soldaten, der auch hier in einem solch Langweiligen Kaff nicht seine Lebensfreude verlor und das Beste aus der Situation machte.

Es ist niemand geringeres als Sauffix; er sollte dann später irgendwann zum Bannerträger der Leichten Infanterie der Roten Faust werden, aber dies nur am Rande.

Er war zu dem Zeitpunkt nur Soldat, aber seinen Witz und Geist hatte er schon damals.

Was also, fragt ihr euch mit Sicherheit jetzt, kann ein einzelner Mann schon großartiges getan haben, was einer Geschichte würdig wäre.

Es sind ein paar Geschichten die jenen ansonsten so öden Ausflug zumindest für ein paar seiner engsten Freunde doch so manches mal ein bisschen interessanter machten.

Als erstes wäre dort jene Begebenheit auf dem Marktplatz, die auch für so manch anderen angereisten Gast eine Abwechslung in dem ansonst so tristen Örtchen darstellte.

Sauffix hatte gehört, man könne ein Training zum Zwecke seiner Geschicklichkeit und Waffenkunst absolvieren, und nach kurzem aber gutem Zureden konnte er denn schließlich die Soldaten Maltus Berodiac, Thorax und Wandor und den Söldner Roland dazu überreden dort mitzumachen. Und so fand man sich denn vollgerüstet zur schönsten sonnenreichen Mittagsstunde im Ring der Arena auf dem Marktplatz ein, um sich vom Ausbilder 2 manch einer sogar 3 Stundengläser lang hetzten und drillen zu lassen.

Als erstes wurden mal die Grundtechniken durchgenommen. Wie halte ich die Waffe, wie schlage ich damit richtig zu. Danach dann die richtige Angriffstellung -  einen festen Stand muss man haben -  dies wurde dann auch gleich mal vom Ausbilder überprüft. Und hier zeigte dann besagter Sauffix seinen Sinn für Scherze. Beim Schups des Ausbilders, es ging ja um einen sicheren und festen Stand, flog Sauffix rückwärts zu Boden überschlug sich einmal und blieb liegen. Böse Zungen behaupten ja, er hätte es zumindest damals nicht besser gewusst, ich aber glaube es war einer seiner üblichen Scherze.

Dann wurden Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit geschult.

Die Aufgabe lautete unter einem hohen Stab durch und über einen niedrigeren Stab drüber und das 3 mal so schnell als möglich.

Auch hier behaupten bösartige Lästerer Sauffix hätte mal wieder nicht zugehört, denn dieser machte es natürlich trotz seines Kettenhemdes genau andersherum, über den hohen Stab drüberspringen und unter dem niedrigen Stab drunter durchrollen, über den letzten Stab, ein hoher, machte er sogar eine Flugrolle. Seine Freunde schmunzelten nur über ihn, als Sauffix dann aber den Ausbilder aufforderte dies nachzumachen, dachten sie jetzt würde er seine Abreibung bekommen, doch dieser machte den Scherz einfach mit, und absolvierte den Parcour genau wie Sauffix, doch ich muss dazu sagen, der Ausbilder selber war nur leicht bekleidet.

Inzwischen hatte sich auch die Trossmagd der Roten Faust Sintra Forgwehr unter die immer zahlreicheren Zuschauer gesellt, und Sauffix braucht nicht viel seiner Überredungskunst anzuwenden, um auch sie dazu zu bringen sich ihnen anzuschließen und mitzumachen. Als nächstes stand dann ein kleiner Waldlauf auf dem Programm. Hier hätte Saufix seinem Namen mal alle Ehre machen können, doch der Ausbilder wollte kein hohes Tempo und so trottete Saufix halt mit.

Auf halben Wege wurde denn bei einem eisigkalten Bach halt gemacht und etwas zur Abhärtung getan. Man stieg mit bloßen Füßen in das kalte Wasser.

Nach dieser Erfrischung ging es weiter, wieder zurück zum Marktplatz, aber Saufix war das Tempo einfach zu gering und angeregt durch das kalte Wasser und nun mehr denn je zu jeder Schandtat bereit meinte er man müsse eigentlich ein Liedchen singen, doch er ist kein so begnadeter Sänger. Aber Thorax mit seinem wundervollen Tenor kam ihm da zu Hilfe und stimmte ein paar  Lieder an und so schallte wenig später der Gesang der Roten Faust durch den Wald. Und auch hier ließ sich der Ausbilder nicht lumpen, denn er stimmte dann als man die ersten Zelte des Marktes sah ein weiteres Lied an, und die Rote Faust sang laut mit, und so lief eine singende Gruppe, sehr zum Erstaunen und zum Vergnügen der anderen Leute, auf den Marktplatz.

Als letztes stand dann ein Lauf um die Arena mit einem schweren Stein an. Auch hier konnte Sauffix seine Blödeleien nicht lassen, denn er ging erstmal, als er den Stein in die Hand bekam, zu Boden.

Dann stand für ein paar der Soldaten noch ein bisschen Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit auf dem Programm. Mit drei Bällen jonglieren. Hier zeigte Sauffix mal, dass er auch gut einen Gaukler abgeben würde.

Und so hatten unsere Freunde den Tag schön rumbekommen und so manch einem anderen Gast ein schönes Schauspiel geboten.

 Zurück im Lager blödelte Sauffix in seiner gewohnten Art noch ein bisschen mit seiner Freundin Sintra, und im Verlaufe dieser Blödelei verabredeten sich die beiden in jenem kalten Bächlein vom Lauf ein Mitternachtsbad zu nehmen.

Und so geschah es denn, dass zu später Stunde zwei Gestalten sich in die Finsternis aufmachten. Man belästigte erst noch ein anderes Lager von Angereisten um einen Eimer von Sintra wieder zurück zu erlangen, und zog dann weiter in die Nacht davon.

Was bei jenem Bade geschah, werde ich euch nicht verraten, doch die beiden hatten ihren Spaß.

Am nächsten Morgen dann bekam Sauffix mit wie ein paar Freigenossen, angestachelt von einer ihrer Frauen, sich aufmachen wollten in ein Höhlenlabyrinth, und da ihnen gerade ein Mann fehlte, ging kurzerhand Saufix mit. Hier lernte er dann auch den Spruch: Der Held geht links.

In den Höhlen konnte Sauffix dann auch endlich von seiner Waffe Gebrauch machen, er sollte aber auch der einzige der Roten Faust bleiben, der in diesen Genuss kam.

Die Frau von den Freigenossen, sie war irgendwie eine Auserwählte - wofür oder weshalb wusste glaube ich nicht einmal sie selber so genau - bestand dann aber leider eine Prüfung im Labyrinth nicht, und so musste die Gruppe unverrichteter Dinge wieder abziehen. Aber ihren Spaß haben sie gehabt.

Am Nachmittag zog Sauffix dann ein weiteres Mal ohne sonstige Begleitung, nur zusammen mit seiner Freundin Sintra, in den Wald davon.

Ob sie wirklich nur ein kleines Nickerchen gehalten haben, wie sie behaupten oder nicht werden wir wohl nie erfahren.

Aber sicher ist, dass in der folgenden Nacht diesmal vier Gestalten sich aufmachten zu einem nächtlichen Bad im Bach. Und wieder waren Sauffix und Sintra darunter und - so wurde mir zumindest berichtet - sie waren auch diejenigen, die diese nächtliche Orgie anberaumt hatten.

 

So das war es auch, was ich so zu berichten weiß.

Eines ist wohl sicher, für mindestens zwei Personen hat sich jener Abstecher der Roten Faust zum Marktflecken des New Orders zumindest gelohnt.

 

 

(c) Dieter Weckfort

Verbreitung erwünscht - natürlich nur mit Hinweis auf den Autor.

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