
Die Erzählungen des Luthreiel Wintermark
erster Priester des Tempels der Drachenklaue zu Identhal:
Der Magus und die Haushälterin
Es war vor etlichen Jahren, dieser Ort hier war bereits in Vergessenheit gefallen, da zog der Magus Ignatz Bellerophontes in diesen Ort, um hier in der Einsamkeit und Abgeschiedenheit sich voll und ganz seinen Studien zu widmen.
Doch der Magus war so sehr mit seinen Studien beschäftigt, dass er sein Zimmer, sein Laboratorium und gar sich selber darüber vergaß, ich denke ihr kennt diese Art von Magus zu genüge und wisst wovon ich spreche, und deshalb erbot sich unsere hilfsbereite Dorfschönheit Xelinda Tresticore für den Magus den Haushalt zu führen, was dieser voller Freude und Dankbarkeit annahm.
So verstrichen ein paar Jahre in denen der Magus immer wieder mal versuchte Xelinda zu überreden ihn doch zu heiraten, doch sie meinte immer nur lachend: „Er sei doch zu alt für sie“, und tat dies als kleine Schrulligkeit eines alten aber liebendswürdigen Mannes ab.
Und so kam es wie es kommen musste, sonst wäre dies ja auch keine erzählenswerte Gecschichte, das ein junger Reisender in den Ort kam und beschloss hier eine Weile zu bleiben. Während jener Zeit verliebte er sich unsterblich in Xelinda und diese erwiederte seine Liebe mit gleicher Leidenschaft. Die beiden waren ein tolles Paar, doch dem Magus missfiel dies ganz und gar, und als Xelinda ihre Stelle bei ihm aufgeben wollte, da bat der Magus sie, doch bitte noch ein Jahr zu bleiben, solange bräuchte er wohl, einen passenden und würdigen Ersatz für sie zu finden. Xelinda war über dieses Kompliment so geschmeichelt, dass sie ihm diesen Gefallen gerne tat, und da der junge Mann sowieso noch ein knappes Jahr lang alleine durch die Gegend wandern wollte, sein Glück zu machen, beschlossen die beiden, sich in einem Jahr wiederzutreffen. Und so zog der junge Abenteurer los, doch vorher fertigten sich die beiden Liebenden noch gegenseitig ein Medaillon, auf dass sie sich und ihre Liebe niemals vergessen würden.
Innerhalb des nächsten Jahres veränderte sich die ehemals so fröhliche, lebendslustige und unternehmungslustige Xelinda zunehmend. Sie lachte immer seltener, wich dem Magus kaum noch von der Seite, erfüllte dem Magus jeden Wunsch und selbst wenn der Magus mal nicht da war, entfernte sie sich nicht weit vom Haus. Ihre Trauer und Demut wurde von Tag zu Tag, von Woche zu Woche immer schlimmer, doch wenn man sie fragte was denn los sei, so bekam man immer nur dieselbe Antwort: „Ich habe das Medaillon von meinem Liebsten verloren, jetzt wird er nie mehr zu mir zurückkommen.“ Da waren die Leuthe erstmal beruhigt, und dachte sie hätte einfach nur Angst, dass ihr Große Liebe sie vergessen habe, und schöpften keinerlei Verdacht.
Aber ihr Liebster hatte sie nicht vergessen und kehrte nach einem Jahr voller Freude zurück in den Ort. Er hatte in dem Jahr ein wahres Vermögen gemacht, und wollte sich jetzt mit Xelinda in Dracken eine Herberge aufbauen. So ging er denn woller Freude, das ganze Dorf im Schlepptau, zu Xelinda, ihr die frohe Botschaft zu überbringen, und fragte sie, ob sie nun mit Ihm kommen wolle. Doch zum Erstaunen eines jeden Mannes und und jeder Frau im Dorf wies sie Ihren ehemals so angebeteten Helden schroff ab, und ging ins Haus des Magus. Der junge Mann war sehr verdutzt, und verließ voller Zorn, so gedemütigt und abgewiesen worden zu sein, den Ort und ward nie mehr gesehen. Die Leuthe hier fragten sich was denn mit Xelinda los sei, gingen aber wieder an ihre Arbeit.
Am nächsten Tag fand man dann Xelinda, derhängt an einem Baume. Der Magus tobte und fluchte und brüllte wild: „Du entkommst mir nicht.“
Und dann begann das mit der Stimme; eine Stimme, die sang und klagte; eine Stimme, so voller Trauer, wie selbst ein Elb nicht mehr Trauer in der Wüste verspüren könnte. Es war die Stimme von Xelinda und sie klagte darüber, dass sie ihren Liebsten weggeschickt habe. Und die Dorfbewohner bekamen Angst, Angst vor der Stimme, Angst vor einem Fluch, der die Seele eines jeden Menschen, nicht nur die von Xelinda, auf ewig an diesen Ort hier binden könnte, auf dass sie ruhelos als Stimme hier herumirre. Und so verließen die meisten Bewohner diesen Ort, einige wenige versuchten ihre Angst zu bewältigen, aber auch sie hielten nicht lange durch.
Und so blieb ich alleine in dem nun verlassenen Ort zurück, mich hielt die wundervolle Bibliothek, die ich nicht dem Untergang weihen wollte, ausserdem hatte ich niemanden der mir geholfen hätte fortzuziehen und ich ich hätte auch nicht gewußt wohin.
Eine Erzählung vom großartigen Geschichtenerzähler Bran, niedergeschrieben von Luthreiel Wintermark dem Ersten Priester des Tempels der Drachenklaue zu Identhal am 4. Tag des 3. Monats im Jahre 439
Alle Geschichten geschrieben von Dieter Weckfort.
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