Die Erzählungen des Luthreiel Wintermark

erster Priester des Tempels der Drachenklaue zu Identhal:

Brans große Liebe

 

 

Es war vor langer, langer Zeit, dass ich auf meinen Wanderungen, ich zog von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt und erzählte alte und neu, lustige und traurige, bluttriefende und von Liebe handelnde Geschichten und lebte davon gar nicht schlecht. Also wie war das, ach ja, also vor langer Zeit kam ich auf meinen Wanderungen in einen entlegenen Ort, von dem ich noch nie etwas gehört hatte und der wohl auch keinen Namen mehr besaß. Dort traf ich die wohl schönste aller Frauen die auf er ganzen weiten Welt wandelte und verlor ob ihrer Schönheit, die zu beschreiben selbst mir, einem Geschichtenerzähler nicht möglich ist, sofort mein Herz an sie. Ihr Name war Lykmelia Peritronya. Sie war die Tochter eines armen Bauern aus der Gegend, aber dies tat meiner Liebe keinen Abbruch. Ich beschloss also ein paar Wochen in dem Ort zu bleiben und um meine Liebe zu werben.

Ach, was habe ich nicht alles getan um sie auf mich aufmerksam zu machen, ich habe Geschichten erdacht, Gedichte ersonnen, die schönsten Blumensträuße gepflückt, und teure Gegenstände von meinen Reisen ihr geschenkt.

Sie hat dann auch nach ein paar Wochen meinem Werben nachgegeben, und ich war wie von Sinnen. Wir hatten eine schöne Zeit, schmiedeten große Pläne und so beschloss ich mich im Ort niederzulassen und kaufte das Haus bei der Bibliothek mit derselbigen gleich dazu, und fragte Lykmelia ob sie mich heiraten wolle. Sie meinte sie bräuche noch Bedenkzeit, und so verstrichen noch weitere Wochen, in denen ich meine Ungeduld nur mühsam unterdrücken konnte.

Dann streckte mich eine schwere Krankheit darnieder, und Lykmelia sorgte sich sehr um mich, und versprach mir, mich zu heiraten, sobald ich wieder genesen sei. Doch die Krankheit wurde immer schlimmer, und so wollte Lykmelia einen Heilkundigen holen gehen, meinte aber sie bräuche Geld, sonst würde sie keinen guten Heiler dazu bringen können mit ihr in diesen entlegenen Ort zu kommen. Also verriet ich ihr, geschwächt durch die Krankheit und trunken vor Glück, dass Lykmelia bald mein Weib werden solle, wo ich den Rest meines Vermögens aufbewahrte. Doch es war schon spät, also wollte sie erst am nächsten Morgen aufbrechen, und so verbrachte sie diese Nacht noch bei mir. Ich fiel dann in einen fieberhaften Schlaf, und als ich daraus erwachte, war Lykmelia fort, aber bei meinem Bett stand genug Essen, sodass ich die nächsten zwei Tage, solange würde sie wohl brauchen, hatte sie gesagt, keinen Hunger leiden müßte, zumal ich eh kaum Appetit besaß. Und ich war mir sicher, dass sie so schnell wie möglich zurückkehren würde.

Doch auch nach drei Tagen war sie noch nicht wieder zurück, und ich sorgte mich sehr, und fragte mich was sie denn solange aufhalten könne.

Zu meinem Glück kam mich dann meine kleine treue Freundin Marie, für die ich so eine Art Vater war, besuchen, um eine Geschichte von mir zu hören, und sie sah mich da so leichenblaß und fiebernd auf dem Bett liegen, und eilte sofort los um ein Kräuterweib, das zufälligerweise gerade in der Gegend war, zu holen. Diese gab mir auch sofort etwas gegen meine Krankheit und rang drei Tage und drei Nächte mit dem Tod um mein Leben. Marie wich wärend der ganzen Zeit, von der ich aber nicht viel mitbekam, nicht von meiner Seite. Am vierten Tage erwachte ich, zwar sehr schlapp, aber ohne Fieber, und das Kräuterweib sagte mir, dass ich von Glück reden könne, dass sie in der Gegend gewesen sei, denn sonst wäre ich an dem Gift in meinem Körper gestorben.

Da fiel mir Lykmelia ein, und ich fragte Marie, ob sie wüßte was mit ihr geschehen wäre. Da erfuhr ich, dass Leuthe aus der Gegend, Marie mit einem unbekannten Mann davonreiten gesehen hätten. Da überfiel mich eine furchtbare Angst, und ich bat darum, dass man mir aufhelfen solle, und wankte auf schwachen Beinen in die Küche, denn dort, in einem alten Topf hinter dem Ofen, hatte ich meine Ersparnisse versteckt. Und ich musste zu meinem Entsetzten feststellen, dass alles Gold und Silber weg war. Auch viele andere sehr wertvolle Gegenstände von meinen Reisen waren verschwunden. Da erfüllte mich tiefe Trauer, denn nur Lykmelia, meine große Liebe, die mir noch am Krankenbett versprochen hatte mich zu heiraten, konnte diejenige gewesen sein die mich bestohlen hatte. Sie muss dies die letzten Wochen über ganz genau geplant haben, wohl zusammen mit jenem Unbekannten, und mir immer wieder ein bischen Gift unter das Essen gemischt haben. Ich war über soviel Hinterlistigkeit sehr entsetzt, und grämte mich sehr, wegen des Verlustes und Betruges von und durch meine Liebe.

Dies meine Freunde und Zuhörer ist meine Geschichte, doch vielleicht sollte ich euch noch berichten, wieso ich nicht mein Bündel packte und mich aufmachte Lykmelia zu suchen.

Dies hatte zweierlei Gründe, zum einen wollte ich Marie, die sich so sehr um mich gesorgt hatte und mir auch in den Wochen nach Lykmelias Betrug sehr viel Trost gab, nicht verlassen, zum anderen hatte ich ja auch die Bibliothek, die ich nicht der gnadenlosen Zeit überlassen wollte, denn aus dem Ort hier konnte niemand damit etwas anfangen. Also blieb ich im Ort und habe es irgendwann dank guter Freund geschafft meine Gram über den Verlust meiner großen und einzigen Liebe zu vergessen.

 

Eine Erzählung vom großartigen Geschichtenerzähler Bran, niedergeschrieben von Luthreiel Wintermark dem Ersten Priester des Tempels der Drachenklaue zu Identhal am 16. Tag des 3. Monats im Jahre 439

 

 

Alle Geschichten geschrieben von Dieter Weckfort.

Gern leiten wir Mails an den Autor weiter.

 

 

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